Kafka - Eine Collage
Dienstag den 7. Juli. Klettgau Gymnasium Tiengen. Zwei fremde Herren besetzen den Musiksaal. Einer von beiden trägt einen zerknitterten Anzug und seine Haare sind streng nach hinten gegellt und glänzen. Nein, bei diesen beiden Männern handelt es sich nicht um Einbrecher oder Ähnliches. Sie sind ans Klettgau-Gymnasium gekommen um der Kursstufe 1 Franz Kafka näher zu bringen.
Der Proceß von Franz Kafka gehört zu den Sternchenthemen für das Abitur und muss deshalb in allen Deutschkursen behandelt werden. Um dieses Werk besser zu verstehen, brauchen die Schüler auch einige Hintergrundinformationen. Genau aus diesem Grund haben die beiden Herren beschlossen, uns, der Kursstufe durch ein Schauspiel das Innenleben Kafkas näher zu bringen.
Um 11.20Uhr begaben sich die Schüler der ersten Gruppe in den Musiksaal 1 im Hauptgebäude, wo bereits eine aufwendige Bühnenkonstellation aufgebaut war. In der Mitte des Saales war eine rechteckige Fläche mit umgekippten Stühlen begrenzt und außen herum waren Stuhlreihen aufgestellt. Vorne in der Mitte war ein Gestell aufgebaut an dessen oberem Ende ein Gesichtloser Kopf thronte mit einer Perücke bekleidet. Zwischen dem Puppenkopf und dem dreiseitig bewandetem “Zimmer” im Hintergrund waren zwei Schnüre gespannt an deren Ende kleine Pakete hingen. In der Mitte dieses Zimmers stand ein Tisch und im Hintergrund war ein Fenster. Vom Fuß der Puppe bis unter den Tisch lag eine leere Papierbahn.
Die Schüler suchten sich ihre Plätze und wurden darum gebeten nicht zu reden, zu essen oder zu trinken um den Schauspieler nicht abzulenken. Das Schauspiel begann.
Die Papierbahn begann sich wie von Geisterhand gezogen zum Tisch hin zu bewegen und Textstücke erschienen und auch der Schauspieler wurde endlich sichtbar. Langsam, fast wie in Zeitlupe zog er sich auf der verdeckten Hinterseite unter dem Tisch hervor. Nun begann das Schauspiel so richtig und teilweise wirkten die Schüler verstört von dem was sie sahen. Das Stück sollte die Gedankenwelt Kafkas darstellen und seinen Bezug zu Frauen, seiner Arbeit, dem Schreiben und das Misstrauen gegenüber seiner Nachbarn darstellen.
Hat man auf die Details der Vorführung geachtet konnte man viel über Kafka erfahren und wenn man selbst manches nicht verstanden hat, wurde es in der an das Stück anschließenden Besprechung von den beiden Herren erklärt. Zum Beispiel das sein Kontakt zu Frauen hauptsächlich schriftlich war und dass dessen Gesichter nicht mehr sind als “ ein beschriebenes Blatt Papier”, weshalb auch der anonyme Puppenkopf gewählt wurde. Auch dass er die Erlebnisse und Erinnerungen, die im “in den Knochen “ stecken , nur schriftlich verarbeiten konnte und sich auch nur auf diese Weise Menschen öffnen konnte, was die Knochenähnlichen Gegenstände, die an der Schnur befestigt waren, darstellen sollten. Außerdem stand das Fenster zum Beispiel für das Misstrauen gegenüber dem Nachbarn und eine metallene “Spuckdose” auf dem Schreibtisch stand charakteristisch für Kafkas Krankheit.
Zusammengefasst kann man sagen, dass diese Art des Kennenlernens eines Autors sicherlich nicht für jeden interessant war´. Einige Schüler empfanden diese 2 Schulstunden als reine Zeitverschwendung, jedoch waren andere auch sehr begeistert und im Anschluss des Stücks auch sehr augagiert Fragen zu stellen.
Doch ob begeistert oder nicht, jeder der “ Kafka - eine Collage” besucht hat, hat einige neue Eindrücke von Franz Kafkas Leben bekommen und Hintergrund Informationen mitgenommen.
Gabriela Salomon